"Was auch immer geschieht:
Es ist das Einzige, was geschehen konnte"

open space

Die neue SV - neue Projekte

Schon vor dreieinhalb Jahren stellte sich der damalige Schulsprecher Christoph Kalz die Frage: "Heißt SV eigentlich Sabbeln ohne Vorwärtskommen?" Auch wir, die wir uns nun schon einige Jahre mit SV-Arbeit befaßt haben, konnten uns dieser Frage oft nicht entziehen. Nicht immer interessierte sich jeder SV-Vertreter für jedes der vielen Themen, die in den zwei Stunden pro Monat abgehandelt wurden. Oft reichten diese Stunden durch die vielen Wortbeträge nicht aus. Das hemmte Produktivität und Motivation.
Natürlich lag die Einführung von Gruppenarbeit nahe. 1998 wurde der Versuch dazu erstmals unternommen, scheiterte allerdings bereits nach einer SV am Fehlen von Vertrautheit mit dem neuen System. Die SV war offensichtlich nicht genügend vorbereitet und somit noch nicht bereit für mehr Verantwortung beim einzelnen und Vertrauen in die Arbeitsergebnisse der anderen Gruppen. Man kehrte zum alten Modell des Plenums zurück, bis zum Dezember 2000, als endlich ein SV-Seminar zum Thema SV-Arbeit stattfand. Ein Wochenende lang lernten die SV-Vertreter eine Arbeitsweise namens "open space". Es handelt sich hierbei um ein Verfahren, das davon ausgeht, dass jeder, der sich für ein Thema interessiert, bei diesem Thema am besten mitarbeiten kann. Das klingt einleuchtend und simpel, ist in der Ausführung aber vielschichtiger: jeder kann sich während der Gruppenarbeit aus der Gruppe zurückziehen, wenn er meint nichts mehr beitragen zu können und in eine andere Gruppe wechseln oder Pause machen. Niemand ist gezwungen, sich für eine Gruppe zu entscheiden, jeder kann in jeder Gruppe kurz hereinschauen und etwas beitragen oder, falls jemandem kein Thema liegt, außen vor bleiben ohne dabei den Arbeitsprozess der anderen zu stören. Kurz zusammengefaßt könnte man also sagen: jeder macht genau das, was er will, und jeder macht dabei das Richtige.
Geprägt vom alten Grundsatz: "Jeder macht, was er soll, und zwar vernünftig!" könnten Kritiker der SV nun Zweifel anmelden, ob mit diesem Prinzip die Produktivität der SV tatsächlich gesteigert wird. Schafft es die SV in kleinen Gruppen, in denen sich niemand mehr "verstecken" kann, eigenverantwortlich die konkreten Interessen der Schülerschaft zu diskutieren und zu vertreten? Um ehrlich zu sein, ich hätte diese Frage vor der letzten SV (der ersten nach dem Seminar) mit "nein" beantwortet. Um so erstaunlicher die Resultate: in etlichen Gruppen wurden zu den verschiedensten Themen - von der Bekämpfung von Nazischmierereien an unserer Schule über das Schüler-Lehrer-Verhältnis und den Projekttag bis hin zu dem Wettbewerb "Schönster Klassenraum" - konkrete Ergebnisse erarbeitet: die in den 7. Klassen bereits eingeführte Sozialstunde soll zur Verbesserung des Schüler-Lehrer-Verhältnisses und des gesamten Schulklimas auf die 8. und 9. Klassen ausgeweitet werden, zur Bekämpfung der Schmierereien wird eine Fotomappe zusammengestellt usw. Und das alles unter noch nie erlebter Einbeziehung der unteren Jahrgänge.

Soweit, so gut, mit "open space" scheinen wir endlich die richtige Arbeitstaktik gefunden zu haben, aber auch ich schreibe diesen Artikel natürlich nicht ohne Anliegen, sondern im Auftrag der Gruppe "Themenabende", die auf dem SV-Seminar ins Leben gerufen und auf der letzten SV weitergeführt wurde. Unser Ziel ist es, Schule auch außerhalb der Schulzeit und außerhalb von Musik- und Theatergruppen zu einem Treffpunkt für Schüler, Lehrer und - ja, auch Sie! - Eltern zu machen. Wir haben vor, regelmäßig Themenabende zu veranstalten oder zumindest Organisation und Vermittlung für andere zu geben, denen ein Thema besonders an Herzen liegt. Bei der Wahl der jeweiligen Themen sind der Phantasie also keine Grenzen gesetzt: Filme mit anschließender Diskussion, Diavorträge, Plenums- und Podiumsdiskussionen, Lesungen mit oder ohne musikalischer Untermalung.
Um einen Anstoß für die Themenabende zu geben, planen wir nach den Winterferien im Februar einen ersten Themenabend zum Israelkonflikt. Falls Sie sich also privat oder beruflich mit dem Thema befassen und gerne darüber sprechen möchten oder Verbindungen nach Israel besitzen, würden wir uns sehr freuen, von Ihnen zu hören. Selbstverständlich sind Sie auch herzlich zu diesem und den hoffentlich folgenden Themenabenden eingeladen. Das genaue Datum wird noch bekannt gegeben.

 

Das Elternblatt
der Beethoven-Oberschule, Ausgabe 14/Januar 2001
Patricia Schulz, 13. Jahrgang
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